Der Erblasser hat keine Verpflichtung, seine Kinder oder seinen Ehegatten als Erben einzusetzen. Ein übergangener gesetzlicher Erbe, der zu den nächsten Angehörigen zählt, hat jedoch einen Wertanspruch auf einen Teil des hinterlassenen Vermögens: den Pflichtteil.

Der Anspruch des Pflichtteilsberechtigten ist ausschließlich auf die Zahlung von Geld aus dem Nachlass gerichtet. Dem Nachlass hinzugerechnet werden Schenkungen des Erblassers innerhalb der letzten 10 Jahre sowie alle erfolgten Schenkungen an den Ehegatten. 

Bei der Wertberechnung des Nachlasses ist der Verkehrswert maßgebend, der notfalls durch einen Sachverständigen zu schätzen ist. Von diesem Wert sind alle Schulden des Erblassers abzusetzen sowie die Bestattungskosten. 

Ein Entzug dieses Pflichtteilsrechtes ist nur in ganz gravierenden Fällen möglich, wie z. B. bei einem Tötungsversuch oder körperlichen Misshandlungen gegen Eltern oder Geschwister.

Pflichtteilsberechtigt sind Abkömmlinge des Erblassers, dessen Kinder und Kindeskinder sowie der Ehegatte des Erblassers. Sind keine Abkömmlinge vorhanden, sind auch die Eltern des Erblassers pflichtteilsberechtigt. Weitere Pflichtteilsberechtigte sind gesetzlich nicht vorgesehen. Der Pflichtteilsanspruch beträgt wertmäßig die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.  

Die Kenntnis des Pflichtteilsrechtes ist sowohl wichtig für den Berechtigten, der diesen Anspruch nur innerhalb von drei Jahren nach dem Erbfall geltend machen kann als auch für den Erblasser, der zu Lebzeiten durch rechtzeitige Vermögensübertragungen den Pflichtteilsanspruch minimieren kann.